29.11.10

Bayern: Zusammenleben homosexueller Paare im Pfarrhaus

Evangelische Kirche in Bayern erlaubt das Zusammenleben

16-11-2010 Evangelische Kirche erlaubt Paaren das Zusammenleben im Pfarrhaus

München - Homosexuelle Pfarrer und Pfarrerinnen können in Bayern künftig offiziell mit ihren Partnern im Pfarrhaus zusammenleben. Das hat der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich am Montag bei einer Pressekonferenz in München bekanntgegeben. Bedingung dafür sei, dass die Paare in eingetragener Lebensgemeinschaft lebten und dass es 'eine Einmütigkeit von Kirchenvorstand, Landeskirchenrat, Dekan und Regionalbischof gibt', sagte Friedrich. Dieses Prinzip des 'Magnus Consensus', das der Landeskirchenrat im Juli beschlossen habe, werde schon jetzt angewendet, wenn es um die Einstellung homosexueller Pfarrerinnen und Pfarrer in den Gemeindedienst gehe.

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Friedrich nannte die bisherige Regelung inkonsequent: Zwar durften bislang schwule und lesbische Pfarrer und Pfarrerinnen im Gemeindedienst arbeiten und ihre Partnerschaft auf dem Standesamt eintragen lassen. 'Ausgeschlossen hatten wir jedoch, dass ein Paar in Lebenspartnerschaft im Pfarrhaus wohnt', so der Landesbischof. Diese Regelung habe nicht dazu beigetragen, 'Verantwortung und Verlässlichkeit' homosexueller Partnerschaften zu stärken. Der neue Beschluss bewegt sich laut Friedrich im Rahmen der Regelungen, die die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche in Deutschland (VELKD) im Jahr 2004 beschlossen hatte.

Nach Auskunft von Pressesprecher Johannes Minkus gibt es in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern sechs homosexuelle Pfarrerinnen und Pfarrer in eingetragener Lebensgemeinschaft. Der 'Lesbisch-Schwule Konvent' in der Landeskirche zählt nach eigenen Angaben etwa 50 Mitglieder, die Hälfte davon Pfarrer und Pfarrerinnen.

Der Konvent begrüßte am Montag die Neuregelung. 'Das ist ein guter Kompromiss', sagte die Münchner Pfarrerin Christine Untch. Endlich gebe es eine offizielle Regelung, nachdem man bislang nur 'halblegal' habe zusammen wohnen können. Sie hoffe nun, dass die demnächst in Neu-Ulm tagende Landessynode dem Vorschlag des Landeskirchenrats zustimmt. Der Arbeitskreis Bekennender Christen in Bayern (ABC) erklärte am Montagabend jedoch, er halte die Entscheidung des Landeskirchenrats für falsch - schon deshalb, weil damit in einer 'theologisch umstrittenen Frage vollendete Tatsachen geschaffen werden, bevor die Landessynode über das entsprechende Thema überhaupt diskutiert hat'. epd/mai