23.11.11

Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare im Pfarrhaus ermöglichen!

Pressemitteilung des lesbisch-schwulen Konvents

Lesbisch-Schwuler Konvent (LSK)

c/o Pfarrervertretung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

Pressemitteilung im Wortlaut

 

 

Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare im Pfarrhaus ermöglichen!

 

Als Pfarrerinnen und Pfarrer des Lesbisch-Schwulen Konvents (LSK) melden wir uns in der Debatte um das Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare im Pfarrhaus mit fünf Forderungen an Kirchenleitung und Synode der Ev. Landeskirche Württemberg zu Wort. Die bisherige Regelung, wonach ein „Zusammenleben im Pfarrhaus im Grundsatz nicht möglich ist“, halten wir für unbefriedigend und diskriminierend. Wir wollen nicht als Ausnahmefall behandelt werden. Deshalb unsere dringende Bitte:

-       Entwickeln Sie die bisherige Praxis des „begrenzt offenen Verfahrens“ bei der Besetzung von Gemeindepfarrstellen mit lesbischen Pfarrerinnen bzw. schwulen Pfarrern zu einem transparenten Verfahren weiter, das auch in der Öffentlichkeit überzeugend vertreten werden kann!  Unser Ziel ist, dass wir uns wie alle Kolleginnen und Kollegen offen auf eine Gemeindepfarrstelle beweben können und dass die Entscheidung dem jeweiligen Besetzungsgremium überlassen wird.

-       Ermöglichen Sie bei Zustimmung aller Beteiligten das Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare im Pfarrhaus! In der Mehrzahl der Landeskirchen in der EKD ist dies längst möglich – durch die Entscheidungen der letzten zwölf Monate auch in den beiden anderen südlichen Landeskirchen Bayern und Baden.

-       Fördern Sie den Dialog mit Menschen anderer theologischer Überzeugungen! Auf Einladung der Kirchenleitung zusammen zu kommen, das eigene Bibelverständnis in Worte zu fassen und das anderer zu hören, sich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu vergewissern und offene Fragen benennen zu können, könnte auch in unserer Landeskirche Gemeinschaft in Verschiedenheit stärken.

-       Setzen Sie sich für die Wahrung des Respekts vor Anderslebenden ein! Zur Fürsorgepflicht des Arbeitgebers Kirche gegenüber seinen Mitarbeiter/innen gehört auch der Schutz vor Verunglimpfung – auch der lesbischen Pfarrerinnen und schwulen Pfarrer. Wir sind bereit für einen offenen Dialog bei gegenseitigem respektvollem Zuhören trotz unterschiedlicher Standpunkte.

-       Führen Sie vor einer Entscheidung Gespräche mit uns als den von der Entscheidung direkt betroffenen Pfarrerinnen und Pfarrern! In der Vergangenheit hat die Evangelische Landeskirche in Württemberg gute Erfahrungen damit gemacht, dass vor Entscheidungen und der Verabschiedung von  Stellungnahmen Gespräche mit Betroffenen stattfanden – das zeigt etwa der Prozess zur Erarbeitung der „Gesichtspunkte im Blick auf die Situation homosexueller kirchlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, (1995-2000). Jetzt werden in der Frage des Zusammenlebens im Pfarrhaus die Gespräche in der Synode über uns und ohne uns geführt. Dies halten wir einer Kirche nicht für angemessen.

Der LSK wurde 1997 gegründet; in ihm arbeiten rund 20 Kolleginnen und Kollegen mit; die tatsächliche Zahl lesbischer Pfarrerinnen und schwuler Pfarrer in der Evang. Landeskirche in Württemberg ist nicht bekannt, jedoch um ein Vielfaches größer.